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22.05.2016, 09:57

Fritz Vollkommer - Geschichte des Frauenholz

Geschichte des Frauenholz  


Die Gegend um das heutige Lager Frauenholz ist eng mit der geschichtlichen Entwicklung von Schleissheim verbunden. Zur Zeit des letzten bayerischen Herzogs Wilhelm V. der Fromme (Regierungszeit von 1579 - 1598, + 1626) wird Frauenholz erstmals erwähnt. Damals war die Gegend zum größten Teil mit Wald bewachsen. Aus den dunklen Föhrenwäldern "blitzten lichte Rodungen auf, wo einsame Maier Schwaigwirtschaft  getrieben". 

Das Gebiet war im Laufe der Zeit in den Besitz der Kirche übergegangen. In die Flur, deren Mittelpunkt das heutige Ober- oder Schloss Schleissheim bildete, teilten sich das Domstift Freising (Oberschleissheim) und die Klöster Bernried (Oberhochmutting) und Indersdorf (Unterhochmutting). Die Entlegenheit der Güter von Ihrer Grundherrschaft machte es unmöglich, die Schwaigen in eigener Regie zu verwalten. Deswegen setzten die Stifte Maier ein, welche in erster Linie Viehzucht betrieben. Auf der  Schwaige Schleissheim "überwinterte man z.B. 20 Pferde, 60  Rinder, 500 Schafe. Der Wiesenertrag wurde auf 30 Fuder Anger-, 60 Fuder Moos-, 40 Fuder Schafheu und 16 Fuder Grummet geschätzt, während man an Getreide nur 3 Scheffel Weizen, 5 Scheffel Korn, 17 Scheffel Gerste, 18 Scheffel Haber und 1/2 Scheffel Hanf erntete".

In den letzten Jahren seiner Regierungszeit kaufte Herzog Wilhelm V die Schwaigen um Oberschleissheim auf, um in der Nähe seiner Residenz ein waldumfriedetes, größeres Eigentum zu haben, wohin er aus dem Drang der Regierungsgeschäfte flüchten konnte. Oberhochmutting wurde dem Kloster Bernried um 2.700 Gulden abgekauft, die Schwaige Ried wurde von den Kindern des verstorbenen Besitzers Wegmacher im Jahre 1595 um 5.200 Gulden erworben und Kloster Indersdorf trat Unterhochmutting 1597 gegen den herzoglichen Urbachshof zu Röhrmoos ab. Nur das Freisinger Domkapitel wollte keine Einwilligung zu einem Tausch oder Verkauf ihrer Schwaige geben und bat in einem Schreiben vom 2. Dezember 1594 der Herzog möge es „mit diesem Begehren verschonen“.

Wilhelm ersah in der Weigerung der Kapitulare nur einen Versuch aus ihm eine möglichst hohe Kaufsumme herauszuholen. Am 5.Juni 1595 schickte er von Dachau einen reitenden Boten nach Freising und verlangte eine sofortige Erklärung des Domkapitels, um wie viel sein gemachtes Angebot ihnen zu gering sei. Er wolle hoffen, noch reich genug zu sein, ihnen "diss guett letstlich zu erstatten"; kriegen aber müsse er Schleissheim und täten sie es nicht willig, so "gedenckhen wier diss Schleissheim dennoch zu haben, aber darumben euch alsdann nit zu danken." Trotz dieses energischen Auftretens Wilhelms dauerte es noch zwei Jahre, bis ein Handel zustande kam. Der Herzog trat für Schleissheim die zwei Hofmairhöfe und den Khitlhof zu Oberhummel, den Sedlmair - und den Kirchmairhof zu Kleinvicht und den Ober- und Holzhayhof zu Langenbach ab. Die Stimmung Wilhelms bei diesem Tausch klingt deutlich aus dem Satz heraus, den er in die Tauschurkunde aufnehmen ließ, dass nämlich das Geschäft vor sich gegangen sei "mit sein des Stiffts Freising mercklichen nucz".

Es entstand nun ein - für die damaligen Begriffe - Riesengut, das aus drei aneinander gelegten Höfen bestand, zu denen noch zwei Mühlen hinzukamen. So wird berichtet, dass täglich 48 "Ehehalten" gespeist werden mussten und die Zahl der Taglöhner zur Zeit der Ernte in mancher Woche auf 180 - 200 Köpfe stieg.

Der Jahresfruchtertrag der herzoglichen Schwaige belief sich auf 1.000 Fuder Heu und Grummet, etwa 200 Fuder Hafer, 140 Fuder Gerste, 160 Fuder Korn; auf der Weide waren 1.100 Schafe und in den Ställen standen 100 Ochsen, 100 Kühe, 18 Büffel(!), 50 Schweine und 50 Pferde.

Im Herrenbau, der im ganzen 44 Räume zählte, hatte Wilhelm zu seiner speziellen Benützung nur ein Zimmer und eine Schlafkammer. Im Jahre 1598 übergab Wilhelm V. die Staatsgeschäfte an seinen Sohn, den späteren Kurfürsten Maximilian I., um in Schleissheim zusammen mit seiner Gemahlin Renate einen ruhigen Lebensabend zu haben.

Jetzt errichtete Wilhelm rund um seine Schwaige Oberschleissheim neun Klausen, die er täglich besuchte. In der Wilhelmsklause, (jetzige Schloßwirtschaft) hatte er seine einfache Wohnung. Von hier führte der Weg zur Jakobsklause, (jetziger Friedhof). Anschließend besuchte der Herzog die Nikolausklause (Hochmutting) und ging dann hinüber zum Einsiedler bei Unserer Lieben Frau (am ehemaligen Kreuz der bereits gesperrten Schleissheimer Straße).

Der Besuch der Korbiniansklause (Schleissheimer Fasanerie), der Margaretenklause, (jetzt Forsthaus) der Franziskus Klause, (Mittenheim), der Ignatiusklause, (Bergl), und der Renatusklause (im Hofgarten) schloss sich an.

Die Klause zu "Unserer Lieben Frau", kurz auch Frauenkapelle oder Frauenklause genannt, hatte zwei Altäre mit den Gemälden der Muttergottes und der Erscheinung des Herrn. Aus dem Namen "Frauenklause" entwickelte sich auch für den Wald, der diese Klause umgab, der Name "Frauenholz". Ebenso entstand auch für den Wald um die Korbiniansklause der Name "Korbiniansholz", (auch "Korbinianihölzl").

Kartographisch wurden später beide "Hölzl" zusammen als Korbiniansholz geführt und so sind sie auch noch heute in den Heimatkarten eingetragen. Der Name Frauenholz entstand erst wieder, - allerdings nur mündlich - beim Bau der fliegertechnischen Schule im Jahre 1937.
Erst im Jahre 1953 wurde der Name Frauenholz offiziell wieder gebraucht. Damals übernahm die Stadt München das heutige Gebiet von Frauenholz und nannte die Barackensiedlung "Wohnlager Frauenholz". Bald darauf wurde dieser Name - wahrscheinlich um das in mancher Verbindung übel klingende Wort "Lager" nicht zu gebrauchen in "Wohnanlage Frauenholz" umgetauft. Die Patrone der 9 Klausen, die "Klausenheiligen", sind in der Apsis der Pfarrkirche von Oberschleissheim abgebildet.

Das Bild des Hochaltars zeigt die Mutter Gottes und damit auch die Patronin der Frauenklause. Die Kirchenfenster rechts und links davon stellen den Hl. Renatus und den Hl. Jakobus dar. An der rechten und linken Wand der Apsis sind die anderen sechs Klausen-Heiligen zu sehen.

Gleich hinter der Straßensperre zum Schleissheimer Flugplatz am Ende der Schleissheimer Strasse stehen links einige alte Lindenbäume. Unter dieser Baumgruppe stand die Frauenklause. Zwischen den beiden Linden außerhalb des Zaunes stand bis zum Jahre 1953 ein Kreuz, das sogenannte "Frauenkreuz". Am Boden ist hier heute nur noch eine Einfassung aus Ziegelsteinen zu sehen.
Herzog Wilhelm V der Fromme konnte es nicht verhindern, dass die

Erhaltungskosten seiner Ökonomie und seiner Klausen die Einnahmen weit überstiegen. Er bot deshalb Schleißheim seinem Sohn Max zum Kaufe an. Ehe sich aber dieser auf den Handel einließ, sandte er eine Kommission zur Besichtigung des Gutes nach

Schleißheim und erst als der von Baron Lerchenfeld am 9. November 1615 erstattete Bericht einen jährlichen Reinertrag von

2.000 bis 2.500 fl. in Aussicht stellte, willigte Maximilian in die Übernahme ein.

Am 4. Januar 1616 ging Schleissheim aus dem Eigentum Wilhelms gegen eine jährliche Lebensrente vor 2.500 fl. Besitz Herzog Maximilians über. Maximilian wusste dabei zu gut, wie sehr das Herz seines Vaters an Schleissheim und besonders an den Klausen hing und hatte deshalb Wilhelm am 13. November 1615 die Mitteilung zukommen lassen, "dass die ein als andere weg, wann und so offt Sie wollen Schleissheim besuchen und Irer recreation alda pflegen wollen, daran Seiner - Herzog Maximilians Durchlaucht - ein erfreuliches gefallen geschehe."

Herzog Maximilian kaufte 1616 von dem Münchner Bürger Hans Keichl Schwaige und Taverne "Neuherberge um 8.000 Gulden und 100 Dukaten Leihkaut", 1628 erwarb er Mallertshofen und verband es als Vorwerk mit Schleissheim. Die Schwaigwirtschaft kam wieder zur vollen Blüte. Auch während des 30-jährigen Krieges blieb Schleissheim verschont, obwohl der Feind oft genug in bedenklicher Nähe lag.

Trotzdem wurde der Wald um Schleissheim am 6. Oktober 1648 zum letzten Schlachtfeld des mörderischen 30-jährien Krieges. Damals lagen 2.000 Schwedenreiter bei Dachau unter dem Kommando des Generals Wrangel. Der Anblick der wohlgehegten Wälder an Schleissheim reizte ihn, mit seinen Offizieren eine Hirschjagd abzuhalten. Nichts Böses ahnend, gaben sie sich der Lust des Waidwerks hin. Indessen aber ging die Kavallerie der Kaiserlichen und der Bayern über die Isar, griff die Schweden heftig an und schlug sie in die Flucht. Wrangels Bruder und Vetter wurden gefangen genommen und man erbeutete gegen 1000 Pferde, alles goldene und silberne Tafelgeschirr und die sieben Regimentstandarten. Wrangel selbst entkam ohne Pferd und Degen im Dunkel der Nacht.

So war denn hier um Schleissheim das letzte Blut geflossen, das dieser unselige Krieg gefordert hatte; denn wenige Wochen darauf, am 25. Oktober wurde der Freud- und Friedenbringende Postreiter aus Münster empfangen, der den müden und abgehetzten Landen den schmerzlich ersehnten Abschluss des Westfälischen Friedens auf seinem Horn schmetternd zublies.

Während des Krieges starb am 11. Januar 1635 Elisabeth, die Gemahlin Maximilians I. Im Juli des gleichen Jahres reiste der 62-jährige Kurfürst nach Wien,  wo er sich mit der 24-jährigen Kaiserstochter Maria Anna vermählte. Gerade diese Frau hat immer wieder versucht, die Leiden des 30-jährigen Krieges zu lindern und wurde besonders für Schleissheim und Umgebung Hilfe in jeder Notlage.

Nach dem Tode des Kurfürsten am 27. September 1651 ließ sie das Schloss in Schleissheim zum Teil schöner aufbauen. Maria Anna wählte Schleissheim zu Ihrem Witwensitz. Auch ihr Sohn Ferdinand Maria (geb. 31.10.1636 - gest. 26.5.1679) machte Schleissheim, seinen Lieblingsaufenthalt, zu einer stattlichen Sommerresidenz. Seine Gemahlin Adelheid aus Savoyen wandelte Schleissheim in eine französisch-italienische Kolonie um. Die schöne, lebensfrohe Kurfürstin zog Schleissheim mit seiner stillen Einsamkeit in den Strudel des Prunks und der rauschenden Festlichkeit. Der damalige Sport wurde ganz ausgiebig gepflegt: Schießen auf der Reitbahn mit Pistolen nach Köpfen oder auf der Schießstätte mit Büchsen nach der Scheibe und aufgemalte Reiter; im Ferchenbach angelte man nach Forellen; beliebt war die Jagd auf Hirsche, wilde Kaninchen und anderes Wild; auf dem Würmbache unternahm man Wasserfahrten

nach den prächtigen Schlössern Ottershausen und Haimhausen. Selbst Bühnen zur Aufführung von Komödien wurden aufgeschlagen.

Zweimal wöchentlich war Kammermusik.

Beim Tode seines Vaters Ferdinand Maria war Max Emanuel erst 17 Jahre alt. In Schleissheim hatte er die fröhlichste und ungebundenste Zeit seiner Jugend verlebt. Als Bewunderer des Sonnenkönigs wollte er in Schleissheim ein zweites „Versailles“ erbauen. Zu diesem geplanten herrlichen Schloss legte er im April 1701 mit silberner Kelle und silbernem Hammer den Grundstein, unter den eine silberne Platte und 3 Fass Wein versenkt wurden. Enrico Zucalli, der Hofbaumeister aus Graubünden führte den Bau aus. Der Spanische Erbfolgekrieg zwang 1704 zur Einstellung des Baues, der dann 1719 von dem neuen Hofbaumeister Josef Effner aus Dachau wieder aufgenommen wurde. Bei allen Künstlern, die in Schleissheim mitwirkten, sei vor

allem auch der französische Stuckateur Charles Dubut und der deutsche Stuckateur Johann Baptist Zimmermann zu nennen.

Das Schloss, das mit den beiden Pavillions eine Länge von 330 m erreicht, war die "schönste und größte Bildergalerie" in Europa. Die Einweihung wurde 1722 durch eine Bauernhochzeit" gefeiert. Im "Bayerischen Löwen" war die lange Hochzeitstafel gedeckt und in der Schenke stand der Kurfürst in der Tracht eines oberbayerischen Bauernwirtes, die grüne Schlegelkappe auf dem Lockenkopf, in kurzer Lederhose, in roter Weste und in weißer Schürze.

Nach dem Ableben Max Emanuels wurde es um Schleissheim wieder still. Die Neigung des neuen Herrscherpaares, des Kurfürsten Karl Albrecht und seiner Gemahlin, der Wiener Kaiserstochter, war dem aufstrebenden Nymphenburg zugetan.

Während der Kriegswirren zur Zeit Napoleons hatte die Bevölkerung Schleissheims und Umgebung viel Not und Elend zu erleiden. Bald plünderten die Franzosen, dann nahmen wieder die Österreicher, was sie brauchten. Bergl und Mittenheim wurden vollständig ausgeraubt. Den Leuten wurden sogar die Betten fortgeschafft. Die durchziehenden Truppen hielten im Schloss ihre Festlichkeiten. 1799 biwakierten russische Soldaten unter Suworow zwischen Lustheim und Hochmutting, woran noch heute das "Russenstrassl" erinnert. 1806 kam Napoleon zu einer Fasanenjagd nach Schleissheim und speiste im Schloss.

Minister Graf von Montgelas ließ zur Zeit der Säkularisation im Jahre 1802 die kleinen Waldklausen, die Wilhelm V errichtet hatte, abbrechen. Seinem Aufklärungsfanatismus fiel auch das von Max Emanuel im Jahre 1718 für zwölf Franziskaner gegenüber der Franziskusklause erbaute, dreiflügelige Kloster mit der runden Chorkirche zum Opfer, eine Stätte, an der sich an St. Franziskustag oft mehr als 10.000 Kommunikanten eingefunden hatten. Unrühmlich bekannt wurde damals die "Kalte Herberge". Auf unerklärliche Weise sind dort 40 Personen verschwunden. Kaufleute, Bürger, Handwerksgesellen. Schließlich wurde die Mordbande entlarvt und der Stadtrichter Püttrich von München, sowie der Landrichter von Dachau konnten eingreifen. Die Täter wurden lebendig gerädert und dann enthauptet.

Die Morgenzahl der Schleissheimer Schwaige mit ihren Vorwerken Hochmutting, Mallertshofen und Milbertshofen, (zur Schwaige Milbertshofen gehörte auch das Gebiet von Frauenholz), betrug. 11 317. Milbertshofen wurde von Max Emanuel am 15. Juni 1685 um 30.000 Gulden als Vorwerk für die Schleissheimer Schwaige gekauft.

Jedoch im Jahre 1802 verringerte sich die Morgenzahl auf 8.299,76 nachdem ein großer Teil der Schwaige Milbertshofen parzellenweise an Ansiedler verkauft wurde. Bei diesem Verkauf entstand auch eine neue Grenze zwischen Schleissheim und Milbertshofen. (Später nach der Eingemeindung Milbertshofens in München, wurde sie zur Grenze der Stadt München). Vorerst führte sie quer durch das Gebiet von Frauenholz.

Erst im Jahre 1953 hat die Stadtverwaltung von München diese Grenze durch Tausch eines Geländestreifens hinter dem Plannerweg mit der Gemeinde Schleissheim so verändert, dass die gesamte Wohnanlage-Frauenholz in den Burgfrieden von München einbezogen wurde.

Im Jahre 1805 wurde der Friedhof von Mittenheim nach Hochmutting verlegt.

König Max Josef gab im Jahre 1811 das Eigentum seines Hauses an der landwirtschaftlichen Besitzung von Schleissheim auf und verleibte es dem Staatsvermögen ein. Die Kosten des Gutes hatten nämlich stets die Einnahmen so überschritten, dass in den letzten Jahren der Hof alljährlich über 6.000 Gulden zusetzen musste.

Der Kindergarten von Schleissheim, 1902 zur Entlastung der arbeitenden Bevölkerung erbaut und 1926 erweitert, wurde zur Betreuung den Niederbronner Schwestern übergeben, die auch die ambulante Krankenpflege ausüben. Sehr viele Frauenholzer Kinder verbringen alljährlich in "Tageserholungen" einen Teil ihrer Sommerferien im Schleissheimer Kindergarten.

Der Bayerische Fliegerhorst wurde schon 1913 in Schleissheim aus der Taufe gehoben. Der Schleissheimer Flugplatz war damit einer der ersten in Deutschland. Die großen Flieger des I. Weltkrieges kamen fast alle aus der Fliegerschule Schleissheims. Ritter von Müller, Immelmann, Bölcke, Richthofen, drehten hier ihre ersten Runden! Die beiden Kunstflieger Udet und Stöhr waren Schüler und später Lehrer am Schleissheimer Fliegerhorst.

Die "löbliche Schloßbrauerei" von Schleissheim, mit dem "allzeit mundenden Stoff" ist im ersten Weltkrieg abgebaut worden.

Im Jahre 1937 wurden die Baracken des Lagers Frauenholz gebaut. Die "Fliegertechnische Schule" hatte hier bis 1945 ihr Quartier. Der II. Weltkrieg brachte für Schleissheim und Umgebung eine furchtbar schwere Zeit. Im Januar 1940 wurde der Anflug des ersten feindlichen Flugzeuges gemeldet. Etwa 230-mal ertönte die Sirene in Schleissheim und in der "Fliegertechnischen Schule". Manche Baracken wurden zerbombt und brannten nieder. Sie wurden aber immer wieder aufgebaut. Am 22. Juli 1944 wurden 28 Opfer eines Fliegerangriffes, am 12. April 1945 14 Opfer auf dem Schleissheimer Friedhof Beerdigt. Noch am Sonntag, den 29. April 1945 mussten bei Neuherberg 21, meist blutjunge Soldaten ihr Leben lassen. Davon sind 11 Soldaten bis heute unbekannt geblieben.

Nach Kriegsschluß 1945 wurden die Baracken der Fliegertechnischen Schule, (das Lager Frauenholz also) für die in Deutschland lebenden Ausländer als Wohnungen bereitgestellt. Dieses DP-Lager (DP ist die Abkürzung des englischen Wortes für Verschleppte: "displaced persons") wurde in München allgemein das "Russenlager" genannt weil die meisten Bewohner dieses Lagers aus russischen zumindest aus slawischen Gebieten stammten,

Bis zum Jahre 1953 lebten die "DP's" im Lager Frauenholz, während dieser Zeit erlangte das Lager einen berüchtigten Ruf.

Viele undurchsichtige Elemente trieben hier einen regen "Schwarzhandel". (Die Lebensmittel waren zur damaligen Zeit alle rationiert und die deutsche Bevölkerung wurde äußerst knapp gehalten, während alle Ausländer sehr reichlich von den Amerikanern unterstützt wurden. Diese wiederum verkauften die geschenkten "Care-Pakete" "schwarz" an die Bevölkerung, - meist nicht gegen Geld, sondern gegen wertbeständige Gegenstände. Anm. F.V!)
Angeblich soll hier die größte Schwarzhandelszentrale Deutschlands gewesen sein. Streitereien und leider auch Messerstechereien waren an der Tagesordnung. Nur die amerikanische Polizei hatte zum Lager Zutritt. So kam es vor, dass die deutsche Polizei bei der Verfolgung von kriminellen Elementen vor dem Lager halt machen musste und erst nach langwierigen Verhandlungen mit den Amerikanern, das Lager zusammen mit der amerikanischen Polizei betreten durfte. Im Jahre 1951 sollen bei einer Razzia einige Lagerinsassen erschossen worden sein. Die Namen und auch die Anzahl der Erschossenen, konnte ich nicht ausfindig machen. Jedenfalls haben die Lagerbewohner zum Gedenken an diese Leute am Südostrand des Lagers, in der Nähe des Waldes‚ ein Kreuz errichten lassen, das heute noch steht und als Russenkreuz bezeichnet wird.

Der Altbau unserer heutigen Volksschule war während dieser Zeit Sanitätsbaracke. Die Baracken Plannerweg 16 und Jändelweg 1 waren als Kirchen hergerichtet, in denen Gottesdienste der verschiedenen christlichen Richtungen abgehalten wurden. Die Mehrzahl der Lagerinsassen gehörte der russisch-orthodoxen Kirche an.

Im Jahre 1952 übernahm die deutsche Polizei den Rechtsschutz über das DP - Lager.

Im April 1953 verließen die letzten DP's das Lager Frauenholz. Die meisten von ihnen zogen nach München Karlsfeld, Passau und Regensburg, wo man für sie Wohnblöcke errichtet hatte.

Nun kaufte die Stadt München von der Regierung das Lager, (es sollen ca.1,2 Mill. DM bezahlt worden sein), um hier Wohnungen für wohnungslose Münchner einzurichten. Die Baracken waren damals in einem äußerst verwahrlosten Zustand. Bis zum Juli 1953 standen die Baracken noch leer. Sie mussten erst von den Handwerkern instand gesetzt werden. Im Laufe des Jahres 1953 und 1954 wurden verschiedene Baracken ganz neu erstellt (Die sogenannten Steinbaracken!).

Ende Juli 1953 wurde die Wohnanlage Frauenholz von den ersten Familien bezogen. Bereits zum Jahresschluss 1953 zählte man 2.000 Einwohner.

Als Vertreter der Stadtverwaltung wurde Herr Hauptsekretär Karl Birker mit der Verwaltung des Lagers betraut. Die Verwaltung und auch das Polizeirevier der Wohnanlage waren zuerst auf Weitmannweg 26-28 untergebracht. Am 1. November 1953 zog Verwaltung und Polizei in die inzwischen wiedererstellte Verwaltungsbaracke am Zeillerweg 1 um. Heute ist nach Errichtung von Leitrevieren, (mehrere Polizeireviere und Polizeiwachen wurden im Zuge der Rationalisierung zusammengelegt), in Frauenholz nur noch ein Revierposten, der Tag und Nacht von einem Polizisten besetzt ist. In der "Verwaltungsbaracke" sind heute noch die Fürsorgestelle der Caritas und des Wohlfahrtsbezirksamtes der Stadt München, die Mütterberatung (vom Gesundheitsamt), die Mütterschule des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes und die Post untergebracht. Auch ein Zahnarzt hat hier seine Praxis.

Bis zum Herbst 1953 wurden die Wasserhähne unserer Wohnanlage von Pumpbrunnen gespeist. Noch heute sind diese 3 Pumphäuschen zu sehen. Das erste Häuschen steht hinter dem Plannerweg 2, das Zweite zwischen dem Plannerweg und dem Kino und das dritte Häuschen hinter Weitmannweg 30. Im Herbst 1953 wurde unsere Wasserleitung an das Rohrnetz der Stadt München angeschlossen. Nachdem der normale Wasserdruck in München zwischen 6 und 8 Atü liegt und das Leitungsnetz der Wohnanlage für diesen starken Druck nicht gebaut war, musste ein Druckminderungsventil eingesetzt werden, das den Wasserdruck auf 3,5 Atü (Atü = Athmosphärenüberdruck, alte Bezeichnung für BAR. Anm. Klaus Mai) herabsetzt.

1954 wurde parallel zur alten Schleissheimer Straße eine neue Zufahrtsstraße zur Wohnanlage gebaut. Die alte Straße, staubig und voller Schlaglöcher, war schon für jedes Fahrzeug eine schwere Belastung gewesen. Östlich dieser Straßen hat die amerikanische Armee, westlich der Straßen die deutsche Bundeswehr ihr Manöver- bzw. Übungsgelände.

Das Bad am Weitmannweg wurde 1954 eingerichtet. Im selben Jahr konnten unsere "Frauenholzer" erstmals am Bernhard Peter Weg, und damit also innerhalb unserer Wohnanlage, Filmvorführungen besichtigen. Inzwischen wurde das Kino auch zum Abspielen von Breitwandfilmen eingerichtet.

Im Dezember 1954 wurde die Steinbaracke am Schornerweg 6 fertig gestellt, in der Polizeibeamte wohnten. Der Arzt unserer Wohnanlage, Herr Dr. med. Karl Heinz Westphal, hatte in der gleichen Baracke Wohnung und Praxis.

Am November 1954 konnte der Kindergarten und 14 Tage später die Kinderkrippe eröffnet werden. Die Kinderkrippe hatte am 1. November  1956 die Einweihung eines Erweiterungsbaues, während der Kindergarten sich ebenfalls im Frühjahr 1957 durch einen Anbau vergrößerte. Der Hausherr des Kindergartens ist die Stadt München (Baureferat), die Verwaltung obliegt dem katholischen Caritas-Verband der Erzdiözese München-Freising. Die Fachaufsicht führt das Stadtjugendamt und das Gesundheitsamt. Gegenwärtig kann der Kindergarten in 3 Abteilungen je 45-50 Kinder und der Hort in ebenfalls 3 Abteilungen je 40 Kinder aufnehmen. Die Krippe kann mit 55 Kleinst- bzw. Kleinkindern belegt werden. Im Laufe der Jahre ist die Bewohnerzahl der Wohnanlage auf ca. 4.000 angestiegen.

Der erste Kaufladen in unserer Wohnanlage war schon 1953 der Konsum. 1954 wurde die Konsumbaracke ausgebaut und bildet jetzt des Einkaufszentrum. Neben dem Konsum sind im selben Haus auch eine Drogerie, ein Schreibwarengeschäft, ein Textil- und Haushaltswarengeschäft, ein Schuster und ein Friseur untergebracht. Am Grossauerweg steht seit 1953 eine Gaststätte und zwei Jahre später richtete schräg dahinter ein Gemüsehändler seinen Laden ein. Eine Kohlenhandlung ist am Plannerweg.

In den letzten Jahren wurde also aus einem verwahrlosten Lager eine feste Wohnanlage, die für viele Münchner Familien zu einem kleinen Teil zu einem festen, zu einem größeren Teil zu einem vorübergehenden Wohnsitz geworden ist.

 

Fritz Vollkommer, 22. September 1959

   

Die hier wiedergegebene Darstellung der Geschichte des Frauenholz stammt aus der Feder von Franz Vollkommer, die er 1959 verfasste und hier unkommentiert wiedergegeben ist. Die Bilder sind nachträglich von Klaus Mai eingefügt. Hier sei auch ein Hinweis erlaubt. Da Vergleichsdaten zu anderen DP-Lagern für diesen Zeitraum in der Darstellung fehlen, kann über die Kriminalitätsrate des DP-Lagers Schleißheim keine Aussage getroffen werden. Im übrigen war das DP-Lager Schleißheim für die deutsche Polizei bis 1951 exterritoriales Gebiet. Zu einer Zeit, als beinahe jeder Deutsche "Schwarzhandel" betrieb und Geld bis zur Währungsreform 1948 eingeschränkten Tauschwert hatte, war diese "Kriminaliätsrate" der Bevölkerung sehr hoch. Verkäufer von Waren brauchten auch Käufer! Im übrigen war von polizeilicher Seite immer von "organisiertem Schwarzhandel" die Rede, also nicht von einfachem Tauschhandel wie z.B. 1 Kg Fleisch gegen 1 Packung Zigaretten.

Vollkommer irrte in seiner Darstellung mit den erschossenen 9 Ukrainern und ist da wohl einer falschen Zeitungsmeldung der Süddeutschen Zeitung und der Münchner Abendzeitung aufgesessen. Tatsächlich sind an dieser Stelle 1947 zwei Kinder durch spielen mit Fundmunition ums Leben gekommen, die auf der "Panzerwiese" herumlag. Die Wiese war Manöverübungsgelände der US-Army. Das Lager wurde im Juli 1953 an die Stadt München verkauft und zur Wohnanlage Frauenholz umgebaut. 

Auch die Feststellung, dass sich am Plannerweg 16 eine Kirche befunden haben soll ist falsch. Die russisch-orthodoxe Kirche befand sich am späteren Streisselweg 5. Richtig ist hingegen die Feststellung Vollkommers, dass sich eine andere katholische Kirche am Jändelweg 1 befand. Auch in der Vermutung Vollkommers, dass es sich angeblich beim DP-Lager Schleißheim um die größte Schwarzhandelszentrale Deutschlands gehandelt habe, ist aus der Luft gegriffen. In den Polizeiberichten über den Schwarzhandel an den Oberbürgermeister Münchens zwischen 1945 und 1953 ist kein einziger polizeilicher Eintrag mit dem Namen Schleißheim verbunden. Allerdings: Viele Deutsche trieben nach dem 2. Weltkrieg Schwarzhandel, allein schon deshalb, um überleben zu können!

Klaus Mai

Vollkommer war seit 1953 Lehrer im Lager Frauenholz, später auch an der Schule am Heinrich-Braun-Weg. Franz Vollkommer war in vielfaltigster Weise an der Geschichte des Frauenholz und des Hasenbergls beteiligt. Gemeinsam mit dem Lagerverwalter Birker und den Kurraten Pongratz und Schachtner hat er im "Lager Frauenholz" den Stadtteil wesentlich mitbestimmt, vor allem aber auch die Sorgen und Nöte der Einwohner in der damaligen Zeit erkannt und lindern geholfen. Vollkommer wohnte lange Jahre im Frauenholz und später im Hasenbergl. Ob es der Aufbau der Kirche oder die Errichtung des Freizeitheims 'Friedrich Wilhelm  V', die Gründung des TSV München 1954 oder des Jugendclubs "Nordstern" war; Franz Vollkommer spielte dabei immer eine wichtige Rolle und hielt sich dennoch weitgehend im Hintergrund.

Literatur:
Ludwig Eiber, Frauenholz, Lagerleben in der Nachkriegszeit, Dokumentation der Projektgruppe "Frauenholz" vom 21. Mai - 14. Juni 1992.
Volker Laturell, Feldmoching-Hasenbergl, Bavarica Verlag Dr. Reinhard Bauer, München 2000.
Stefan Ellenrieder, Wohnverhältnisse von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in München in der Nachkriegszeit, in: Oberbayerisches Archiv 120, 1996, S. 317-390.
Klaus Mai. 50 Jahre Hasenbergl, Ausstellung 2010

Fotos: Klaus Mai (2010), Bay. Hauptstaatsarchiv, Franz Vollkommer, Wikipedia.

(c) Klaus Mai, München 2010, Alle Rechte vorbehalten

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